Aus der Praxis

Die Musiktherapiegruppe der Aphasie-Selbsthilfe Bremen   -   Januar 2013

Frau Ulrike Steinhöfel (Mitte hinten in Schwarz) war ein wichtiger Gast bei der Musiktherapiegruppe der Aphasiker-Selbsthilfe in Bremen. Die Gruppe begrüßte Frau Steinhöfel trommelnd. Eine Teilnehmerin hatte sie bei den Würzburger Aphasietagen kennengelernt, und wünschte sich ihren Besuch, den Ilse Wolfram, Musiktherapeutin und Leiterin (vorne rechts), für Dezember 2012 vereinbaren konnte. Frau Steinhöfel schilderte ihren bisherigen Krankheits- und Gesundungsprozess, der die gesamte Skala der Gefühle, von Verzweiflung, Glück und Hoffnung umfasst. Ihr Wunsch an die Teilnehmer: Nicht aufgeben! war ermutigend und beeindruckend. Die Gruppe widmete ihr zum Abschied „Ein kleines Lied“,das schon fester Bestandteil der Gruppenmusik geworden ist.


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Fallvignette - Musiktherapie auf einer Palliativstation

Herr Ü. war Patient auf der Palliativstation. Er war Anfang vierzig und litt an einem fortgeschrittenen Bronchialkarzinom mit Hirnmetastasen. Es gab viele Konflikte in seiner Familie und in seiner Partnerschaft. Er war verheiratet, lebte aber mit einer anderen Partnerin zusammen. Durch die Erkrankung war er zu einem Pflegefall geworden und es stellte sich die Frage, wer sich künftig um ihn kümmern solle. Herr Ü. hatte kein Interesse an Musiktherapie, ja er lehnte sie ab.

Zur Szene: Herr Ü. war Raucher. Zum Rauchen wurde er stets im Rollstuhl auf den Balkon geschoben. Im Aufenthaltsraum der Palliativstation war ich gerade dabei die Körpertambura zu stimmen. Während ich eine Saite anschlug, wurde Herr Ü. im Rollstuhl just in diesem Moment zum Rauchen auf den Balkon geleitet. Er hörte diesen Ton und fragte mich sofort, ob das eine Zither sei. Ich verneinte und sagte, dass ich später zu ihm käme, um ihm das Instrument zu zeigen, wenn er das möchte. Herr Ü. nickte.

Ich bin dann etwas später zu ihm ins Zimmer gegangen und habe ihm erst einmal die Körpertambura gezeigt und erklärt. Herr Ü. hat mir dann erzählt, dass er von seiner Großmutter eine Zither geerbt habe. Als er noch klein war, habe seine Großmutter für ihn auf der Zither gespielt, er selber konnte nicht darauf spielen. Ich durfte ihm die Körpertambura dann auf seinen Bauch legen und spielen. Herr Ü. konnte es total genießen und schien in diesem Moment sehr glücklich zu sein.

Einige Tage später hat Herr Ü. dann einen Platz in einem Hospiz erhalten.